1. Leitsymptome
  2. Herz und Thorax

Husten + Bluthusten

Feedback senden

Killer

  • Lungenembolie
  • Gefäßarrosion bei Tumorerkrankung/abszedierendem Infekt
  • Arterio-bronchiale Fistel

Red Flags

  • Dyspnoe / Hypoxie (u.a. Zyanose, Tachypnoe, Orthopnoe)
  • Tachykardie oder Zeichen für Schock
  • Hämoptysen
    • Insuffizienter Hustenstoß (bei Hämoptysen)
  • Stridor
  • Thoraxschmerz
  • Chronischer Husten (> 8 Wochen) mit
    • Malignomverdacht (Heiserkeit, Gewichtsverlust, Nachtschweiß)
    • Änderung der Hustensymptomatik bei älteren Raucher:innen (> 55 Jahre)

Erste Schritte

Hämoptysen: Allgemeines Vorgehen
= Abhusten von bluthaltigem Sekret

  • Inhalation mit Tranexamsäure 500mg inhal.
  • Solang suffizienter Hustenstoß vorhanden:
    • Intubation zurückhaltend (Spontanatmung und Husten sind effizienter als (blindes) Absaugen)
    • Keine spezielle Lagerung erzwingen

Kritische Hämoptysen (größere Mengen/Red Flags)?

  • Präoxygenierung (≥15l O2 -Gabe via Maske)
  • Adrenalin 4mg (pur) inhal. (zusätzlich zu TXA-Inhalation)
  • Systemische Gerinnungstherapie bei bestehender Antikoagulation
  • frühzeitig Notfall-Bronchoskopie durch erfahrene Anwender:in (s. unten)
  • Intubationsindikation: Respiratorische Insuffizienz / nicht ausreichender Hustenstoß. CAVE: Schwieriger Atemweg! (s. Checkliste kritische Hämoptysen unten)

Keine (kritischen) Hämoptysen oder „nur“ Husten:

  • Tuberkulose als DD möglich? → Isolation / Eigenschutz!
  • Mögliche (Fremdkörper-)Aspiration? (Besonders bei Kindern relevant)

Tipps

  • Daumenregel bei Hämoptysen: Bevor man an einer bronchialen Blutung verblutet, erstickt man! → Relevant ist die Verlegung der unteren Atemwege
  • Blut wird am effektivsten durch Husten aus der Lunge befördert.
    Solange ein adäquater Hustenstoß besteht und (mit O2 -Gabe) ausreichende Oxygenierung: Intubation zurückhaltend, keine Lagerungsposition aufzwingen.
  • Häufig sind auch bei krank wirkenden Patient:innen mit Hämoptysen Basismaßnahmen ausreichen d. (O2 -Gabe, Vernebeln von TXA und Adrenalin, vorsichtige Lagerung auf die vermutlich blutende Seite), dann rasche Bronchoskopie

Husten bei V.a. viralem Atemwegsinfekt (z.B. grippaler Infekt, Influenza) siehe Fieber - Grippaler Infekt und Influenza.

Fokus Präklinik

Hämoptysen:

  • Red Flags prüfen, Killer aktiv erwägen
  • Erste Schritte, insb.:
    • Infektionsschutz / Eigenschutz!
    • Sauerstoffgabe
    • ggf. TXA 500mg inhalativ
    • Bei Atemwegssicherung: Fokus adäquate Absaugung (2 Absaugpumpen falls verfügbar), "SALAD-Konzept" erwägen
  • Transportziel bei Hämoptysen: Klinik mit Pneumologie / Kapazität für Bronchoskopie (Voranmeldung!)

Husten

Husten - Ursachen

Häufige Ursachen:

  • Oberer respiratorischer Infekt / allergische Rhinitis (inkl. grippaler Infekt, Influenza)
  • Tiefer Atemwegsinfekt (Bronchitis, Pneumonie)
  • Asthma-Exazerbation
  • Postinfektiös (prolongierter Husten nach durchgemachtem resp. Infekt)
  • Medikamenteninduziert (ACE-Hemmer)
  • Akute Exazerbation bei chronischem Husten


Seltenere Ursachen (bzw. häufig anderes Leitsymptom):

  • Aspiration / Fremdkörper (insb. bei älteren Pat. / Kindern)
  • Gastroösophagealer Reflux (meist v.a. Sodbrennen, retrosternales/epigastrisches Brennen)
  • Lungentuberkulose
  • Bronchiale Neoplasie (B-Symptomatik, Hämoptysen, Heiserkeit, anamnest. Risiko)
  • Pneumothorax (atemabhängiger Schmerz, Dyspnoe, abgeschwächtes Atemgeräusch)

Checkliste Husten

  • Zeichen für Hypoxie/Instabilität? - s. Dyspnoe
  • DD Tuberkulose oder Infekt? → Selbstschutz, Isolation
  • Falls Auslöser bekannt/vermutet:
    • Respiratorischen Infekt behandeln
      • ggf. Therapie je nach Risikokategorie bei Influenza
    • Asthma-Exazerbation behandeln
    • Allergische Rhinitis behandeln (antiallergisches Nasenspray, ggf. Antihistaminika)
    • ACE-Hemmer (insb. in den letzten 6 Monaten begonnen) pausieren, Umstellung z.B. auf AT1-Hemmer (Sartan)
    • Aspiration möglich? (insb. bei Kindern): Engmaschig überwachen!
  • Symptomatische Therapie (z.B. bei chronischem oder postinfektiösem Husten)
    • Bei länger bestehendem Husten ambulante Abklärung (Allgemeinmedizin; ggf. auch Pulmologie, HNO) empfehlen
    • Antitussiva: Kaum Evidenz; nur bei länger anhaltendem, störenden (z.B. Schlaf verhindernden) trockenen Husten, z.B.:
      • Noscapin 50mg /8h (alternativ als Saft 5ml=25mg oder Tropfen 30gtt=25mg)
        CAVE: Alkohol enthalten → kontraindiziert im 1. Trimenon.
      • Codeintropfen (16mg/ml) 30 Tropfen zur Nacht (maximal alle 6h, maximal für 2 Wochen)
    • Mukolytika/Expektorantien: Keine Evidenz bei akutem Husten (insb. bei Infekt)
  • Chronischer Husten bekannt: Veränderung (z.B. Auswurf)? B-Symptomatik?

Hämoptysen

= Abhusten von bluthaltigem Sekret
Ursache für lebensbedrohliche Hämoptysen sind zu 90% Blutungen aus Bronchialarterien (anders als die Lungenarterien werden Bronchialarterien mit systemischem Blutdruck versorgt).

Hämoptysen - Auslöser
  • Infektion (z.B. Pneumonie, Bronchitis, Tuberkulose, selten Lungenabzess, Aspergillose)
  • Lungenembolie (typisch mit Brustschmerzen, Dyspnoe)
  • Neoplasie (insb. Bronchial-CA oder Metastasen, Neoplasien der Trachea / Larynx / Pharynx - akut bedrohlich v.a. akute Gefäßarrosion)

Seltene Ursachen:

  • Vaskulitiden (Granulomatose mit Polyangiitis, Morbus Behçet, Goodpasture)
  • Gefäßmalformationen (M. Rendu-Osler)
  • Pulmonale Hypertonie

Kritische Hämoptysen

Zeichen von kritischen Hämoptysen:

  • Hypoxie / respiratorische Insuffizienz (u.a. Zyanose, Tachypnoe, Orthopnoe, Unruhe/Delir) - s. Dyspnoe
  • Schock (u.a. Hypotonie, Tachykardie)
  • Insuffizienter Hustenstoß

Checkliste kritische Hämoptysen

  • Falls noch nicht erfolgt: Tranexamsäure 500mg inhal. + Adrenalin 4mg (pur) inhal. sowie Gerinnungstherapie
  • Auf schwierigen Atemweg vorbereiten, Hilfe holen
    • Präoxygenieren
    • Absaugung bereitstellen (großlumige Katheter, ggf. starre Absaugung, ev. zweite Absaugpumpe)
  • Bronchoskopie vorbereiten bzw. Bronchoskopie-Dienst informieren
  • möglichst 2 sichere (großlumige) iv.-Zugänge etablieren
  • Kontinulierliches Monitoring (ggf. invasive RR-Messung )
  • Atemwegssicherung mit Doppellumentubus/ Bronchusblocker;
    falls nicht möglich / verfügbar: Möglichst "großer" Tubus (≥8 CH)
    • ggf. bronchoskopisch-gezielte Intubation der "gesunden" Seite (s. Notfallbronchoskopie unten)
    • Linksseitige Blutung vermutet, Ultima Ratio: Blinde, "zu tiefe" Intubation (5cm tiefer als "üblich"): Meist wird Tubus wegen anatomischem Winkel im rechten Hauptbronchus positioniert; dann rechte Lunge ventilieren
  • Notfallbronchoskopie (s. unten)
  • frühzeitig CT-Thorax mit Angiografie (nach A/B Stabilisierung): Blutungsquelle?
    • ggf. Embolisation durch interventionelle Radiologie
Notfallbronchoskopie - Vorgehen
  • Sollte bei lebensbedrohlichen pulmonalen Blutungen nur durch erfahrenes Personal erfolgen
    → Sofern verfügbar immer durch Expert:innen!
  • Insbesondere (noch) spontanatmende Patient:innen können sich unter Bronchoskopie bzw. invasiver Beatmung akut verschlechtern.

    Die nachfolgenden Punkte sind mit zunehmender, notwendiger Expertise verbunden:
  1. Blutung topisch spülen (insgesamt wenig Evidenz, keine Wunder erwarten)
    • Adrenalin 1mg/10ml in 2-3ml Spülung auf die Blutung oder
    • Tranexamsäure 500mg auf 10ml in 2-3ml Spülung auf die Blutung gespült werden, auch wenn es hierzu schwache Evidenz gibt, darf kein Wunder erwartet werden.
  2. Einseitige Intubation
    Blutungsquelle ist erkannt und keine Besserung nach Spülung / Blutung zu massiv: Einseitige Intubation der "gesunden Seite"
    • Tubus vorsichtig über das Bronchoskop in den Hauptbronchus der gesunden Seite vorschieben und blocken werden
    • Wichtig: Nicht zu tief vorschieben - Lage vor Ende der Bronchoskopie nochmal kontrollieren!
    • Nach Intubation der gesunden Lunge: Üblicherweise zumindest kurzfristige Stabilisierung der respiratorischen Situation
  3. Bronchus-Blocker
    Über Bronchoskop kann Bronchusblocker platziert werden
    → erfordert Übung und Kenntnis des Materials!
  4. Blutung mit Bronchoskop in „Wedge-Position“ blockieren
    = Notfallmaßnahme, falls (Sub-)Segment klar als Ursache ausgemacht, kein Bronchusblocker / Expertise vorhanden:
    • Vorschieben des Bronchoskops selbst in das betroffene Ostium bis in „Wegde-Postion“ vorgeschoben werden
      Wedge = die Tiefe, in der das Lumen des Ostiums vollständig durch das Bronchoskop verschlossen wird
    • Nun kann hoffentlich kein Blut mehr in die restliche Lunge abfließen und es ist etwas Zeit gewonnen.
    • Das Risiko für eine Dislokation durch Atembewegung im Verlauf ist sehr groß und wird durch die blutverschmierte Optik schlecht bemerkt, zudem kann es zu Verletzungen im okkludierten Ostium kommen.
      → Notfalloption bei anders nicht zu beherrschender Blutung!
  5. Erweiterte Maßnahmen (Pulmologie) z.B. Ballontamponade, Laser, Stent

Lungentuberkulose

Hintergrund + Risikofaktoren

Bakterielle Infektion (Mycobakterium tuberculosis) mit meist primär pulmonaler Symptomatik. Langsamer Progress (über Jahre), rezidivierende "Reaktivierung" möglich falls nicht völlig ausgeheilt.

Auch andere Organmanifestationen möglich, u.a.: Miliartuberkulose (Befall mehrerer Organe), Meningitis tuberculosa

Fulminanter Verlauf bei eingeschränkter Immunlage: „Landouzy-Sepsis“.

Erhöhtes Risiko für TBC u.a.:

  • Immunschwäche, Unterernährung - z.B. bei
    • Menschen ohne festen Wohnsitz
    • Drogen-/Alkoholabusus
  • Geflüchtete
  • In Europa v.a. in ostereuropäischen Ländern höhere Inzidenz

Symptomatik:

  • Typisch: Husten, Hämoptoe, Fieber, Schwäche
  • Oft prolongierter Verlauf mit B-Symptomatik (Nachtschweiß, Fieber, Gewichtsverlust)

Checkliste V.a. Lungentuberkulose

Klinischer + Anamnestischer Verdacht + "typisches" Bild im Röntgen oder CT mit pulmonalen Kavernen = V.a. Lungen-TBC

  • Notaufnahme → Isolation
    • FFP3-Maske für Personal
    • FFP2-Maske OHNE Ausatemventil für Patienten
  • Stationär:
    • Diagnostik:
      • Keimnachweis im Sputum oder BAL (Bronchoskopie) mittels PCR/Kultur
      • indirekter Keimnachweis durch Quantiferon(r)-Test, dieser oft erst nach Wochen positiv
      • ggf. HIV-/Hepatitis-Serologie erwägen (teils ähnliches Risikoklientel)
    • Therapie: Langwieriges, kombiniertes Medikamentenschema nach Diagnosesicherung (Standard-Kombination: Rifampicin, Isoniazid, Pyrazinamid, Ethambutol)
Interessante Links (frei zugänglich)
Literatur
  • DGP. S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten. AWMF (2025).
  • DZK. S2k-Leitlinie: Tuberkulose im Erwachsenenalter. AWMF (2022).
  • DEGAM. S3-Leitlinie Akuter und chronischer Husten. AWMF (2021).
  • Kathuria, H., Hollingsworth, H. M., Vilvendhan, R. & Reardon, C. Management of life-threatening hemoptysis. J. Intensiv. Care 8, 23 (2020).
  • Wand, O. et al. Inhaled Tranexamic Acid for Hemoptysis Treatment A Randomized Controlled Trial. Chest 154, 1379–1384 (2018).
  • Ittrich, H., Bockhorn, M., Klose, H. & Simon, M. The Diagnosis and Treatment of Hemoptysis. Dtsch. Ärzteblatt Int. 114, 371–381 (2017).
  • Kardos, P. et al. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten. Pneumologie 64, 336–373 (2010).