1. Leitsymptome
  2. Skills und Techniken

Gefäßzugänge

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Diese Informationen richten sich nur an medizinisches Fachpersonal, Nutzung auf eigene Verantwortung!

Erste Schritte

Notfallzugänge

  • Periphervenös: V. jugularis externa (gut erreichbar auch in räumlich beengten Situationen, wie im Herzkatheter oder bei Reanimationsmaßnahmen)
  • Intraossär: Humeruskopf, ggf. Tibia
  • Zentralvenös: V. femoralis oder V. subclavia (bei entsprechender Erfahrung und vorbereitetem Equipment)

Größe + Flussraten

Gefäßzugänge - Flussraten und Größen

Zugang

Gauge

Außen-Ø
(mm)

Fluss
ml/min
(grob)

Dauer bis
500ml
(grob)

Periphere
Venenkanüle
(PVK)

Gelb

24

0,7

30

25 Min.

Blau

22

0,9

35

15 Min.

Rosa

20

1,1

60

9 Min.

Grün

18

1,3

100

5 Min.

Grau

16

1,7

150

3,5 Min.

Orange

14

2,2

250

2 Min.

Zentrale
Venen-
katheter
(ZVK)

3-Lumen
30cm

14
(dist.
Lumen)

ca 2,5

50

10 Min.

High Flow
20cm

14
(prox.
Lumen)

ca. 3

160

3,5 Min.

Dialysekath.
20cm

-

ca. 4

300-500

1,5 Min.

Intraossärer
Zugang
(io.)

EZIO ®
Tibia / Humerus

-

-

ca. 50

10 Min.

  • PVK: Sehr unterschiedliche Flussraten venöser Zugänge je nach Lage / Compliance der Patient:in in der Realität. Hier: Maximalfluss bei "gut liegendem" Zugang.
    • Auch bei „kleinen" Zugängen (z.B. 20G "Rosa") sind Flussraten um 60ml pro Minute möglich (3,6 Liter pro Stunde).
  • "Normale" ZVKs haben wegen Länge und geringem Lumendurchmesser geringere Flussraten = meist nicht optimal für rasche Volumengabe. Ebenso intraossär kein hoher Fluss möglich. Wenn (sehr) hohes Volumen nötig: 14/16G PVK, High-Flow ZVK, Dialysekatheter.
    • Angaben (insb. Dialysekatheter) sehr individuell nach Katheterform, -länge und Hersteller.
  • Intraossärer Zugang: Sehr unterschiedliche Flussraten in Literatur. Mit Verwendung eines Druckbeutels teils deutlich höher beschrieben, in Studien bis zu doppelte Flussrate erreicht (dann bei wachen Pat. auch mehr Schmerz).
    Vermutlich Flussrate via Humerus besser als via Tibia.

Peripherer Venenzugang

Notfall-Blutabnahme: Punktion V. oder A. femoralis (beispielsweise um BGA im Rahmen einer Reanimation abzunehmen)

(Relative) Kontraindikationen

Jeweils Abwägung zwischen Dringlichkeit eines Zuganges und ev. Schäden!

  • Shuntvene / Shuntarm
    • Gefahr der Schädigung des Shunts, damit potenziell lebenszeitverkürzend für Dialyse-Patient:innen!
    • Im kritischen Notfall (Periarrest/Reanimation) kann der Shunt punktiert werden, falls keine guten Alternativen vorliegen
  • Parese
    • Möglichst venöse oder arterielle Zugänge an paretischen Extremitäten vermeiden, Gefahr von unbemerkten Paravasat / Infekt
  • Z.n. Mammaresektion/Lymphadenektomie
    • Lange Zeit wurde hier vor Venenzugängen und Blutentnahmen gewarnt (Sorge vor Ödem, Thrombosen etc.), neuere Studien zeigen keine relevanten Schäden
    • Patientinnen sind oft sehr skeptisch, da seit Jahren "Dogma" besteht, keine Zugänge zu erlauben
  • Verbranntes / infiziertes Gebiet
Tipps: Peripherer Venenzugang bei schlechten Venenverhältnissen
  • Lagerung, Umgebung (und eigene Körperhaltung) optimieren z.B. Bett auf Arbeitshöhe, optimiertes Licht
  • Schwerkraft nutzen - Arm tief lagern
  • Blutdruckmanschette zur Stauung verwenden (auf diast. RR + 10mmHg)
  • Nitrospray nach Anlage des Stauschlauchs auf die Punktionsstelle sprühen, zwei Minuten abwarten, abwischen
  • Arm in warmes Wasser halten
  • Meist empfehlenswert: Sonografische Punktion (siehe unten)
Komplikationen
  • Phlebitis (vor allem bei Applikation von venenreizenden Medikamenten wie Vancomycin, Kalium, Glukose ≥10%)
  • Verletzung von Arterien (z.B. A. brachialis) oder Nerven (z.B. N. radialis)
  • Paravasat (gefährlich v.a. bei Katecholaminen, Calciumchlorid, Glukose, Chemotherapie)
  • Thrombose/Thrombophlebitis
  • Hämatombildung
  • (Luftembolie: Infusionsschläuche immer gut entlüften, kleinste Bläschen im Schlauch sind aber nicht gefährlich)

Sonografische Anlage eines periphervenösen Zugangs

Oft rasch sehr hilfreiche Methode zur Anlage "schwieriger" venöser Zugänge, besonders bei Venen in der Tiefe, ausgeprägtem Ödem und/oder Adipositas.

Checkliste Sonografischer Venenzugang

  • Ultraschallgerät, Linearschallkopf (geringe Tiefe einstellen)
  • Allgemeine Hygiene, Stauschlauch etc. analog zu peripherem Venenzugang
    • (Detailpunkt zur Diskussion "Hygiene" siehe unten)
    • Falls Variante "analog zur Venenpunktion" gewählt:
      • Ausführlich mit Desinfektionsspray sprühen (dient dem Kontakt des Schallkopfes)
      • Zielpunkt auswählen
      • Schallkopf positionieren, erneut auf Punktionsstelle sprühen, nicht erneut mit Ultraschallkopf über Punktionsstelle gehen
  • Ziel: Venen in der Ellenbeuge und Unterarm (V. cubitalis, V. cephalica, V. basilica) ev. auch Beinvenen (V. saphena magna), ggf. V. jugularis externa / interna
  • Sonografische Darstellung "Out-Of-Plane":
    • Darstellung der Venen im Querschnitt (Distanz zwischen Schallkopf und Vene optimal etwa gleich Distanz zwischen Einstichstelle und Schallkopf)
      • Schallkopf in der nicht-dominanten Hand
    • Einstich der Kanüle im 45 ° Winkel zum Hautniveau
    • Sonde nach dem Einstich kippen bis die Spitze der Kanüle sichtbar wird (echoreicher punktförmiger Reflex)
    • Vorschub der Nadelspitze unter gleichzeitiger Korrektur des Schallkopfes bis zum Durchstechen der vorderen Venenwand
Tipps für erfolgreiche ultraschallgezielte Venenpunktion
  • Gute Lagerung ist essentiell: Arm stabil lagern, ggf. unterpolstern; Bildschirm des Ultraschalls in guter Sichtposition.
  • Mitte des Bildschirms = Mitte des Schallkopfes (hier meist Markierung am Schallkopf - Zielpunkt für Kanüle)
  • Länge der Venenverweilkanülen v.a. bei tiefer Punktion wichtig, optimal >4cm (üblicherweise ≥18G) - sonst Gefahr der baldigen Dislokation
  • V.a. bei tiefer / schwieriger Punktion "schrittweises" Vorgehen: Zunächst Punktion noch nicht bis in die Vene, dann sonografisch Aufsuchen der Nadelspitze, danach Kippen des Schallkopfes, bis Nadel verschwindet, Nadel minimal vorschieben bis sie wieder sichtbar ist, Schallkopf kippen, Nadel vorschieben etc. - so bleibt die Position der Nadelspitze immer klar.
  • Die Punktion gelingt auch mit wenig Übung meist rasch, herausfordernder ist die Platzierung des Plastik-Schlauchs in der Vene (oft wird "durchgestochen" oder nur mit der Stahlspitze punktiert. Ultraschall ist auch nach der initialen Punktion hilfreich, um die Position in/neben der Vene genau nachzuvollziehen (dann ggf. Wechsel in "in-plane-Ansicht)
  • Alternative Stichtechnik "In-Plane": Linearschallkopf möglichst senkrecht auf der Haut, Einstich der Kanüle ca. 1-2 cm entfernt vom Schallkopf, Vorschub des echoreichen Reflex (Doppellinie) schräg in Richtung der Vene unter permanenter Sicht mittels des Schallkopfes
    • Schwierigkeit: Nadel verschwindet schnell aus dem Schallfenster,
    • Vorteil: Spitze ist immer erkennbar, ein Durchstechen der Vene ist unwahrscheinlicher als bei "Out of Plane")
Hygiene

International besteht eine Diskussion zur Hygiene bei ultraschallgestützten Venenzugängen, grob zwei Varianten ohne (aktuell) gute Daten für ein oder anderes Vorgehen

  • "Steril wie ZVK": Steriler Überzug des Ultraschallgeräts, steriles Arbeiten, steriles Ultraschallgel aus extra Verpackung - aufwändig und ressourcen-/zeitintensiv
  • "Analog zur normalen Venenpunktion": Allgemeine Hygiene, Desinfektionsspray wird als Kontaktmedium für Ultraschall genutzt, nach Aufsuchen des Punktionspunktes wird nochmal gesprüht und Ultraschallkopf nicht mehr über die Punktionsstelle bewegt
  • "Zwischenvarianten" z.B. Aufbringen von Einmal-Nutzbaren Schutzfolien auf Ultraschallkopf, dann Vorgehen wie bei "normaler" Venenpunktion

Zentralvenöser Zugang (ZVK)

Unterschiedliche Katheter:

  • ZVK
    • 1-5-lumig je nach Indikation
    • Länge: 30cm (eher V. femoralis) und 20 cm (eher V. subclavia / V. jugularis)
  • Dialysekatheter (auch "Shaldon-Katheter")
  • Venöse Schleuse
  • Interne aktive Kühl-/Wärmekatheter (z.B. Coolguard®)
Indikationen / Kontraindikationen zentraler Venenzugang

Indikationen

  • spezielle Medikamente (prolongierte hochdosierte Katecholamintherapie, hyperosmolare Lösungen wie Glukose ≥ 20%, Elektrolyte insb. KCl / CaCl, Chemotherapie etc.)
  • Dialyse (dann Dialysekatheter)
  • Schwierige Venenverhältnisse
    (hier primär ultraschallgezielten periphervenösen Zugang versuchen)

(Relative) Kontraindikationen

  • Im Notfall/Periarrest keine absoluten Kontraindikationen (auch bei eingeschränkter Gerinnung)
  • In der Vene einliegende endovaskuläre Fremdkörper (wie transvenöser Schrittmacher)
  • Thrombozytopenie <50.000/l
  • Wirksame Antikoagulation oder schwere Gerinnungsstörung
  • Infektion, Verletzungen, Verbrennungen an der Punktionsstelle
  • Thrombosiertes Gefäß
  • Pneumothorax auf der Gegenseite (dann eher ipsilateral legen)
Komplikationen
  • Pneumothorax ( V. jugularis und V. subclavia)
  • Cylothorax ( vor allem bei Punktion der V. subclavia links)
  • Luftembolie (v.a. V.jugularis und V.subclavia)
  • Nervenverletzungen (N.vagus bei V.jugularis Interna mit Phrenicusparese, Verletzung des Ganglium Stellatum mit Horner Syndrom)
  • Thrombosen (insb. V.femoralis)
  • Blutung/ arterielle Fehlpunktion/ Dissektion
    (bessere Komprimierbarkeit V. femoralis und V. jugularis)
  • Infektion/ Kathetersepsis
  • Paravasat/ Fehllage
  • Rhythmusstörung (durch Seldingerdraht) oder Verlust des Drahtes
  • Verletzung des Myokards, Periakardtamponade

Zugangsmöglichkeiten:

  • V. femoralis
    • Meist auch bei Periarrest-/Reanimationssituationen gut punktabel; während Punktionsversuch nicht "im Weg" z.B. der Atemwegssicherung oder Thoraxkompression
    • Nachteilig bei Hüftfrakturen und V.a. abdominelle Blutung
    • Nach Anlage: fehlende Mobilität der Pat. mit ZVK in der Leiste
  • V. jugularis interna
    • Bei Schock / Hypovolämie oft erschwert / kollaptisch
    • Nachteilig bei V.a. Hirndruck/SHT, behindert den venösen Abfluss
  • V. subclavia
    • Höchstes Pneumothorax-Risiko
    • Erschwertes "Abdrücken" bei Fehlpunktion
    • Auch bei Schock häufig noch gut punktabel ("aufgespanntes" Gefäß)
Tipps zur erfolgreichen ZVK-Anlage
  • Patient:in gut aufklären, ggf. Sedierung anpassen; optimal Person zur Unterstützung vor Ort, die mit Pat. spricht und beruhigt
  • Vorbereitung: Material kennen und sortieren, bevor Anlage startet
    • Während lokale Betäubung einwirkt alles final vorbereiten (Katheter spülen, Dreiwegehähne vorbereiten etc.)
  • Immer ultraschallgezielte Anlage: Die gefühlten Sekunden "Nachteil", die die Vorbereitung von Ultraschall mit sich bringen, werden bei der ersten Schwierigkeit mit der Punktion sofort reingeholt. Zudem wichtiger Sicherheitsaspekt und Goldstandard (auch bei Anlage in V.subclavia).
  • Lagerung möglichst optimieren (wenn möglich)
    • V.jugularis: Trendelenburg (Kopf tief) zur besseren Venenfüllung; Kopf weg von Punktionsseite drehen
      • ggf. Valsalva-Manöver bei weiterhin kollabierender Vene
    • V. subclavia: ggf. Schulter leicht unterpolstern, Schulter nach oben ziehen ("Schulterzucken")
    • V. femoralis
Lagekontrolle + Tiefe ZVK

Tiefe je nach Lokalisation und Größe der Patient:in:

  • V. jugularis: Tiefe rechts ca. 15cm, links ca. 18cm.
  • V. subclavia Tiefe rechts ca. 17cm, links ca. 22cm.
  • V. femoralis: kompletter Vorschub des Katheters

Lagekontrolle - Möglichkeiten (V. jugularis / V. subclavia)

  • Kontrolle mittels Endo-EKG (z.B. Alphacard®) (steriles Zusatzmodul) möglich bei klar erkennbarer P Welle (nicht bei Vorhofflimmern möglich)
    • EKG Signal kann über Draht endovaskulär abgeleitet werden
    • ZVK wird eingebracht, Draht bis zur ersten Markierung zurückgezogen, dann Ableitung EKK am Monitor über Draht
    • Positionierung kurz hinter der maximalen Amplitude der P Welle am Monitor, dann Entfernung Draht und Notieren der Tiefe, Fixierung
  • Sonografie
    • Sonografische Verifikation: Katheter im Gefäß?
    • Lagekontrolle Sektorschallkopf ("Echoschallkopf")
      • Einstellung des rechten Vorhofes z.B. von subcostal
      • Bolus-Gabe von 10 ml agitierter Kochsalzlösung über den ZVK und sonografische Visualisierung der „Bubbles“
        • Innerhalb von 1-2 Sekunden als Zeichen der korrekten ZVK Lage
        • Verspätetes Auftreten: Umgeschlagener ZVK, Lage nicht tief genug oder zu langsame Kreislaufzeit
        • Kein Nachweis von Bubbles im rechten Herzen. ZVK nicht bestücken, weitere Bildgebung
    • Ausschluss relevanter Pneumothorax auch sonografisch möglich
  • Röntgen Thorax (V. Jugularis, V. Subclavia)
    • Nachteil: Zeitaufwendig, oft Transport nötig, Strahlung
    • Ausschluss relevanter Pneumothorax möglich
    • Katheterspitze sollte sich auf die Karina projezieren

Bei ZVK in der V. femoralis sollte eine sichere Lage im Gefäß sonografisch bestätigt sein, optimal zusätzliche Verifikation der venösen Lage mittels BGA.

Intraossärer Zugang

Erwachsene:

Kinder:

  • Hier oft zu großer Fokus auf die Zugangs-Anlage
    • Bei leicht- bis mittelschweren Fällen kann häufig auf einen venösen Zugang ganz verzichtet werden und Medikamente (z.B. Analgetika) intranasal appliziert werden.
    • In kritische Fällen kann der intraossäre Zugang eine gute Lösung sein

Generell: Keine „prophylaktische“ Anlage eines intraossären Zugangs!

Kontraindikationen
  • Fraktur oder Gefäßverletzung an oder proximal der Punktionsstelle
  • Vorherige Punktion des Knochens in den letzten 24-48h (kein zweiter Versuch am gleichen Knochen)
  • Einliegendes Osteosynthesematerial am Punktionsort / bekannte Prothese
  • Relativ:
    • Akute Infektionen oder Verbrennungen / Verbrühungen an der Punktionsstelle
    • Knochenerkrankungen (z.B. Osteogenesis imperfecta, schwerwiegende Osteoporose)
    • Lokale bakterielle Infektionen, Bakteriämie und Sepsis
    • Intrakardialer Rechts-Links-Shunt (Gefahr der paradoxen Knochenmark-/Luft-Fettembolie)

Lokalisation

  • Kinder: Proximale Tibia
  • Erwachsene
    • Proximale Tibia (2 Fingerbreit unterhalb der Tuberositas etwas medial - nach aktuellen Daten potenziell mehr Schmerzen / geringere Flussraten, dafür einfachere Anlage)
    • Proximaler Humerus (zu bevorzugen bei z.B. Beckentrauma, eher etwas weniger Schmerz und höhere Flussraten; höhere Gefahr der Dislokation bei Arm-Bewegung)
    • Distale Tibia (mediale Fläche ca. 1-2 cm proximal des Innenknöchels)
Anlage intraossärer Zugang (Überblick)

Beispielhaft unter Nutzung des EZIO® Systems:

  • Desinfektion der geplanten Punktionsstelle
  • Lokale Betäubung der Haut bist auf das Periost (wenn Pat. stabil / wach genug ist)
  • Manuelle Stabilisierung der Extremität
    (Hand aber nicht dorsal an der Extremität halten)
  • Aufsetzen der Nadel und Punktion durch das Hautgewebe bis auf den Knochen
    • Wichtig: Markierungen müssen noch sichtbar sein, sonst ist das Gewebe über dem Knochen zu dick - mind. 5 mm der Nadel sollte noch zu sehen sein)
  • Bohren mittels EZ-IO® bis es zu einem Resistenzverlust kommt
  • Entfernung der Nadel und Fixierung der Kanüle mittels vorgegebenen Pflaster
    • Bei Humerus-Zugang: Arm am Körper fixieren, Elevation vermeiden
  • Konnektionsset anschließen
    • Aspiration: Häufig etwas Aspirat möglich; teils auch "Blutentnahme"
      • Zugang muss nicht aspirabel sein! (BZ Kontrolle aber dadurch nicht vergessen!)
  • Flush mit Lidocain (Lidocain 1% 0,5 mg/kg; maximal 40 mg; KEIN Lidocain-Flush bei kleinen Kindern), dann 20ml NaCl 0,9% um das Knochenmark „aufzudehnen“ (ggf. vorab kleiner Bolus von Opioid, z.B. Fentanyl zur Analgesie)
  • Beschriftung des Pflasters mit Datum und Uhrzeit

Alle relevanten Medikamente aus der Notfallmedizin können in gleicher Dosierung wie intravenös verabreicht werden (inkl. Katecholamine, Blutprodukte, Antibiotika).

Komplikationen
  • Infektionen
  • Paravasat (Extremität regelmäßig abtasten nach Schwellung, insb. bei Kindern)
  • Kompliment Syndrom
  • Verletzung der Wachstumsfuge
  • Fettembolie
Entfernung einer io.-Kanüle
  • Goldstandard innerhalb von 2h nach Klinikaufnahme
    • Mindestens aber innerhalb der ersten 48h (Uhrzeit und Datum beim Entfernen ebenfalls dokumentieren)
  • Aseptische Umstände
    • ggf. Einmalgabe von Cefuroxim 1,5g io. oder Cefazolin 2g io. vor Entfernung der Kanüle (über Kanüle selbst) - Expert:innenempfehlung

Arterieller Zugang

Nützlich v.a. für kontinuierliche Blutdruckmessung bei kritisch Kranken und zur regelmäßigen BGA-Kontrolle. Bei schwierigem Tastbefund: Sonografische Anlage (analog zu sono-gesteuerten periphervenösen Punktion).

Indikationen / Kontraindikationen

Indikationen

  • (wiederholte) arterielle BGA-Abnahmen gewünscht
  • Kontinuierliche Blutdruckmessung
    • Unter Katecholamintherapie
    • bei intubierten / invasiv beatmeten Patient:innen
    • Spezielle Krankheitsbilder wie Aortendissektion oder schwere Hypothermie
    • Unzuverlässige / unmögliche (aber notwendige) nichtinvasive Blutdruckmessung z.B. bei Verbrennungen / schwerer Adipositas
  • (Regelmäßige, hochfrequente Blutabnahme notwendig z.B. bei schwerer Hyponatriämie/ schweren metabolischen Entgleisungen. In Intensivmedizin dann Abwägung Arterie vs. ZVK)
  • (Intraoperative Überwachung)

Kontraindikationen

  • Inadäquate Perfusion der Extremität
  • Raynaud Syndrom
  • Schwere Verbrennungen an der Extremität
  • Relativ
    • Antikoagulation
    • (lokale) Infektion
    • vernarbtes Gewebe
    • geplante Herzkatheteruntersuchung (rechte Extremität)
    • schwere Arteriosklerose
Komplikationen
  • Ischämie (Vasospasmen, thrombotische Okklusion)
  • Infektion/ Kathetersepsis
  • Hämatombildung (Kompartment bei A. radialis, retroperitoneal bei A. femoralis)
  • Blutung (A. femoralis und A. radialis bevorzugen wegen guten Komprimierbarkeit)
  • Nervenläsionen
  • Aneurysma spurium, arterio-venöse Fistelbidung, Dissektion der Arterie

Lokalisation:

  • A. radialis: Meist primäre Wahl, relativ einfache Punktion (gute Lagerung ist entscheidend)
    • Bei geplanter / möglicher Herzkatheter-Untersuchung möglichst rechte A. Radialis nicht punktieren!
  • A. brachialis: Oft gut palpierbar und punktabel; theoretische Gefahr der Arm-Ischämie bei Verletzung (da keine Kollateralisierung)
  • A. femoralis: Auch bei instabilen Pat. oft gut punktabel; Mobilisierung für Pat. im Verlauf erschwert (ev. "Doppel-Whopper" bei kritisch Kranken - gleichzeitige und rasche Anlage von ZVK und Arterie in der Leiste)
    • Bei geplanter / möglicher Herzkatheter oder ECMO-Anlage möglichst rechte A. Femoralis nicht punktieren!
Vor Punktion A. radialis: Allen-Test!
  • Manuelles Abdrücken A. radialis und A. ulnaris
    • Pat:in schließt hieraufhin mehrfach die Hand zu einer Faust
  • Sobald Hand "weiß" (blass) wird, wird zuerst der Druck auf der A. ulnaris gelöst
    • Hand sollte sich innerhalb kurzer Zeit mit einem normalen Hautkolorit zeigen
  • Wiederholung der Untersuchung mit Entlastung der A.radialis und Untersuchung der Reperfusion
  • Abnormal = positiver (!) Allentest: Hand bleibt für 5-10 Sekunden blass (inadäquate Kollateralisierung, Gefahr der kritischen Ischämie, falls A. radialis durch Arterie verletzt wird)

Fixierung nach Hausstandard: Radialis kann angenäht oder verklebt werden - bei femoralem Zugang Annaht empfohlen.

Port

Patient:innen haben nicht ohne Grund einen Port (z.B. bei Chemotherapie) - und häufig schwierige Venenverhältnisse, dieser sollte daher auch in der Notaufnahme möglichst genutzt werden. Sowohl Infusionen als auch Blutentnahmen über den Port sind möglich (manche Ports funktionieren (bei längerer Lage etc.) nur noch zur Infusion, nicht zur Blutentnahme - die Patient:innen wissen üblicherweise Bescheid).

Steriles Arbeiten - der Port ist ein zentralvenöser Zugang!

Portpunktion - Überblick
  • Punktion nur mit spezieller Portnadel (speziell geschliffen, rechtwinklig gebogen), sonst wird die Membran des Ports geschädigt
    • Länge richtig wählen (Patienten fragen, welche Größe sonst verwendet wird). Nadel muss so lang sein, dass bei Punktion Boden des Ports erreicht wird
  • Palpation des Ports/ der Membran
  • Desinfektion der Hautstelle
  • Sterile Handschuhe, Durchspülen der Portnadel mit sterilem NaCl 0,9%
    • Palpation Port, Fixierung des Ports mit einer Hand
    • Senkrechtes Einstechen der Nadel in die Mitte der Membran
  • Aspiration von Blut, ggf. Blutentnahme (zuvor ca. 10ml Blut aspirieren und verwerfen), danach sanftes Nachspülen mit ca. 10ml NaCl 0,9%.
  • Klemmen schließen (Luftembolie vermeiden)
  • Fixierung und steriles Verbinden der Portnadel
Kontraindikationen / Komplikationen
  • Lokale Infektion
  • Portinfektion (Punktion hier nur zur Abnahme von Blutkulturen erlaubt)
  • Portokklusion (durch Medikamente, Blut, Thrombose)
  • Materialdefekte mit Paravasatbildung (Dislokation Katheter / Portkammer, Diskonnektion, Abknicken, Bruch)

Weiterführende Literatur und Links

Interessante Links (frei zugänglich)
Literatur
  • Strobel, S., Kiele, K., Dorau, W. & Häske, D. Einfach und praktisch: Anlage venöser Portsysteme in Rettungsdienst und Notaufnahme. Notf. Rettungsmedizin 24, 1124–1128 (2021).
  • Sheikhi-Mobarakeh, Z. et al. Medical Procedures Safety for Breast Cancer Survivors Considering Lymphedema: A Systematic Review. Multidiscip. Cancer Investig. 5, 1–8 (2021).
  • Fleischmann, T. & Hohenstein, C. Klinische Notfallmedizin Band 2 Skills: Emergency Medicine nach dem EU-Curriculum. (2021).
  • ASA. Practice Guidelines for Central Venous Access 2020. Anesthesiology 132, 8–43 (2020).
  • Knapp, J., Grabowski, M., Weidhase, L. & Bernhard, M. Invasive Blutdruckmessung – Schritt für Schritt. Kardiologie up2date 14, 296–303 (2018).
  • McLaughlin, S. A. et al. Considerations for Clinicians in the Diagnosis, Prevention, and Treatment of Breast Cancer-Related Lymphedema, Recommendations from an Expert Panel: Part 2: Preventive and Therapeutic Options. Ann. Surg. Oncol. 24, 2827–2835 (2017).
  • Gottlieb, M., Sundaram, T., Holladay, D. & Nakitende, D. Ultrasound-Guided Peripheral Intravenous Line Placement: A Narrative Review of Evidence-based Best Practices. West. J. Emerg. Med.: Integrating Emerg. Care Popul. Heal. 18, 1047–1054 (2017).
  • Parienti, J.-J. et al. Intravascular Complications of Central Venous Catheterization by Insertion Site. N. Engl. J. Med. 373, 1220–1229 (2015).
  • Cemal, Y., Pusic, A. & Mehrara, B. J. Preventative Measures for Lymphedema: Separating Fact from Fiction. J. Am. Coll. Surg. 213, 543–551 (2011).
  • Helm, M., Hauke, J., Bippus, N. & Lampl, L. Die intraossäre Punktion in der präklinischen Notfallmedizin. Anaesthesist 56, 18–24 (2007).

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